Bruder Igor Hollmann

Osterbrief 2020

Liebe Freunde und Unterstützer des „Projekt Omnibus“,
liebe Familien, liebe Kinder,

der Frühling erwartet uns. Die Natur erwacht aus dem Schlaf. Die Pflanzen keimen lebensfroh und erfreuen sich an der schon etwas länger strahlenden Sonne. Ostern kommt bald. Im Licht der Auferstehung Christi erfährt alles eine Umwandlung. Ostern verändert auch uns selbst.

Osterdeko. Bild von Br. Igor Hollmann ofm

Die Zeilen, die P. Michael Först geschrieben hat und die ich dem Brief angefügt habe, sprechen mich sehr an und beschreiben eine sehr innige Beziehung zu Gott. Was heißt es eigentlich, in sein Licht schauen? Wie geht das? Kann ich das? Darf ich das? Bin ich es überhaupt würdig? Meine Geschichte wird zu seiner Geschichte und ist auch seine Geschichte. Was für eine Zusage, die unserem Leben Flügel und Hoffnung verleiht. Es ist eine unglaubliche Verschmelzung, das Hineintauchen in das Grenzenlose und das Gefühl tiefer Verborgenheit. Ob wir es immer so wahrnehmen? Hier im Omnibus gehen wir mit den Familien verschiedene Wege. Omnibus ist und bleibt ein Ort der Gegensätze. Nichts Menschliches bleibt unseren Wänden fern. Wir erleben wie Freude und Leid, Hoffnung und Zweifel, Zuversicht und Ohnmacht Hand in Hand gehen. Jede Familie geht ihre eigene Via Dolorosa. Viele dieser Kreuzwege sind lang und zerren an der Substanz und zwingen Familien in die Knie. Kein einfacher Ort, kein einfacher Weg, kein einfaches Schicksal. Wie dem auch sei, es erfreut doch ein wenig, wenn jemand am Straßenrand steht und helfende Hände reicht, die die Familien auf ihrem Weg auffangen und ihnen wieder hochhelfen.

Es bedarf manchmal nur einer kleinen Portion Mitmenschlichkeit und die zu tragende Last wird etwas leichter. Man findet wieder Kräfte, die aus der Liebe zu den Kindern freigesetzt werden, um weitergehen zu können. Man blickt zurück, man blickt nach vorne und man weiß nicht, wie weit die Strecke noch ist und vor allem, wie das Ziel aussieht. Ich würde diesen Zustand die Geburtsstunde der Hoffnung nennen. Diesen Zustand kennen unsere Familien nur zu gut. Das Schweben im Ungewissen mit einer Zeitunbekannten ist durchaus ein Motiv für Ostern. Herr, ich möchte in Dein Licht schauen. Lass mich hineinfallen und so mich selbst erkennen, wie Du mich siehst. Sei Du die Quelle meiner Hoffnung.

Ich möchte mich bei Ihnen allen für die Unterstützung und Treue bedanken. Sie ermöglichen uns dieses Stehen und Ausschauhalten am Wegrand. Und das sind auch Ihre Schultern, die das Gewicht verschiedener Schicksale mittragen in den einfachsten Dingen des Alltags, wie das Dach über dem Kopf und das frische Bett. Dank Ihrer Unterstützung können wir die Familien bei uns empfangen und auf dem Weg begleiten.

Ich wünsche Euch allen ein frohes und gesegnetes Osterfest. Mögen Sie dieses Hineintauchen in das Licht und die Verschmelzung Ihrer eigenen Geschichte mit der alles verändernden Geschichte, die Christus am Kreuz neu schreibt, spüren. Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien und allen Kindern vor allem Gesundheit, Zuversicht und Hoffnung.

Ich verbleibe mit einem österlichen Gruß auch im Namen des gesamten Omnibus-Teams
Br. Igor Hollmann ofm


„Herr, Gott ich danke Dir, dass Du mir für Dich Ausblicke und
Einblicke geschenkt hast.

So oft darf ich in Dein Licht schauen, so oft machst Du die bunten
Farben meiner Geschichte zu Deiner Geschichte.

In Deinem Licht darf ich mein Leben schauen.“

– P. Michael Först ofm –

 

Zum Vormerken
9. Mai | 14:30 Uhr
Gedenkgottesdienst für P. Michael Först ofm in der Klosterkirche St. Anna

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