Bruder Igor Hollmann

Osterbrief 2021

Liebe Freunde und Unterstützer des „Projekt Omnibus“,
liebe Familien, liebe Kinder,

Die Natur zeigt ganz deutlich den Kreislauf des Lebens. Sie lehrt uns, unsere Kräfte neu zu entfalten und einzusetzen. Das neue Leben sucht sich den Weg durch die Dunkelheit zu Licht und Wärme. Jahr für Jahr sind wir Zeugen dieser wunderbaren Umwandlung und Erneuerung. Auch wir Menschen tragen in unserem Inneren eine tiefe Sehnsucht nach Neuausrichtung, nach Wachstum, nach Licht und Wärme. Wir brauchen diese Frühlinge und Osterfeste für unser inneres Wohlbefinden. Wir wachsen und reifen auf unseren Wegen dem Licht und der Wärme entgegen. Wir richten uns auf, das Leben erfährt Verwandlung und gewinnt neue Färbung und Kraft. Diesem Naturmysterium gleich keimt unser Glaube in der Tiefe unseres Daseins und will ebenso an der österlichen Erneuerung teilhaben, wachsen und reifen. Unser Glaube ist beheimatet in dem, der seit jeher uns geliebt, angenommen und erlöst hat. Die Zeilen von P. Michael Först, die ich unten eingefügt habe, zeigen diese wirkmächtige Präsenz der Auferstehung Christi in unserem Inneren. Ob uns das immer so bewusst ist? Entdecken wir die heilende Kraft der Auferstehung in unserem Alltag? Lassen wir sie zu? Inwieweit greifen wir zurück auf unsere Glaubens- und Kraftquellen, die unser Leben tragen, die uns neue Hoffnung schenken für die Durststrecken und Karfreitage?

Bild von Bruder Igor Hollmann

Ostern ist für mich immer ein sehr emotionales Fest. Innerhalb von wenigen Tagen erfahren wir die ganze Breite des menschlichen Daseins, eine kurze Zusammenfassung unseres Lebens mit ihren Höhen und Tiefen. Man fühlt sich selbst bei der aktiven Mitfeier des Ostergeheimnisses irgendwo mittendrin im Geschehen, zwischen Trauer und Freude, zwischen Verzweiflung und Hoffnung, zwischen Enttäuschung und Treue, zwischen Alleinsein und Getragenwerden. Das Er- und Durchleben der Ostertage lässt uns ganz neu zurück und nach vorne blicken. An irgendeinem Ort dazwischen befinden sich auch unsere Omnibus-Familien, wenn ihnen der Boden unter den Füßen weggezogen wird, wenn die Krankheit des Kindes ihren Alltag sprengt und die Welt für sie nicht mehr zu existieren scheint. Wie zerbrechlich und kostbar doch unser Leben ist. Wie stark wir aufeinander angewiesen sind und wie sehr wir uns brauchen. Die Liebe und Wärme, die wir von unseren Familien, Freunden und von den anderen Menschen erfahren, lässt in uns Auferstehung stattfinden. Dann wird dieses „Zwischenstadium“ aufgehoben und der Richtung nach verändert. Aus Trauer wird Frieden, aus Verzweiflung wird Hoffnung, aus Enttäuschung wächst Treue, unser Alleinsein wird zum Getragenwerden. Ostern bereichert unser Leben mit den notwendigen Gegensätzen, die in Gottes Liebe ihren Ursprung haben und mit seiner Treue besiegelt sind.

Am Ende dieses Briefes möchte ich mich auch im Namen unserer Omnibus-Familien für Ihre Unterstützung und Treue bedanken. Mit Ihrer Hilfe versuchen wir das „Zwischenstadium“ unseren Familien etwas zu erleichtern, in ihrer Nähe zu bleiben und sie aufzufangen. So werden die kleinen Gesten der Menschlichkeit zu Osterfesten mitten im Alltag. Vielen Dank dafür, dass Sie mitfeiern und mittragen.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien ein frohes und gesegnetes Osterfest. Ich wünsche Ihnen eine innere Aufmerksamkeit, Sensibilität und Fähigkeit dafür, das Fest in anderen Menschen durch Ihre Liebe und Sorge stattfinden zu lassen. Besonders in der jetzigen Zeit ist es sehr wichtig. Mögen Sie selbst von anderen beschenkt werden, dass auch Sie die Kraft der Auferstehung spüren. Fühlen Sie sich auch im Geheimnis der Nächstenliebe, die uns immer wieder neu erwiesen wird, gut aufgehoben.

Ihnen, Ihren Familien und allen, mit denen Sie sich verbunden wissen, wünsche ich ein schönes und kraftschenkendes Fest der Auferstehung.
Mit österlichen Grüßen
auch im Namen des gesamten Omnibus-Teams

Bruder Igor Hollmann


Du bist jetzt schon in mir mit Deiner Auferstehung. Fülle Du mein Herz, meine Waagschalen mit Deinem Frieden, mit Deiner Zusage, mit Deiner Erlösung.

P. Michael Först ofm

 

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