Bruder Igor Hollmann

Weihnachtsbrief 2020

Liebe Freunde und Unterstützer des „Projekt Omnibus“,
liebe Familien, liebe Kinder,

ein ungewöhnliches Jahr geht langsam zu Ende. Keiner konnte dessen Verlauf erahnen. Vieles ist anders und unplanbar geworden. Wie gern hätten wir unser „altes“ und „normales“ Leben wieder zurück.

Jesuskind. Bild von Br. Igor Hollmann ofm.

Auch wir im Omnibus erfahren diese Veränderungen und müssen uns neu ausrichten. „Anders“ heißt das Wort, das unser Leben in den letzten Monaten bestimmt und begleitet. Die Welt sieht nun ganz anders aus und wird sich noch weiter wandeln, wahrscheinlich anders, als wir es uns wünschen und erhoffen. Obwohl wir es gern hätten, können wir die Uhr nicht zurück in unser damaliges Normal-Sein drehen. Das Leben bleibt nicht an einer Stelle stehen und muss weitergehen, auch wenn wir dieses Anders-Sein des Lebens nicht immer verstehen und die Veränderungen oft ablehnen. Vielleicht sind wir gerade in dieser „anderen Zeit“ lebendiger als je zuvor. Sie bringt uns an unsere Grenzen und verlangt viel Geduld, sie lässt uns das bisherige Leben hinterfragen und justiert das Wertesystem neu.

Ich frage mich, ob Anders-Sein nicht schon immer ein Weihnachtsattribut war? Gott wird Mensch und lässt sich in der Krippe finden. Er ist Allmacht und Ohnmacht zugleich mitten in unserer kalten und verhärteten Welt, in der nun sehr viel Distanz geboten ist. Wer hätte das gedacht? Ist das die Vorstellung von einer königlichen Ankunft des Schöpfergottes, der uns Menschen Rettung und Befreiung bringen will? Wie oft fragen wir mit den Jüngern des Johannes des Täufers: Bist du der, der kommen soll, oder sollen wir auf einen anderen warten? (Mt 11,3) Gott, du bist irgendwie anders und nicht immer zu verstehen. Deine Ankunft ist anders. Deine Taten sind anders. Deine Art, uns Menschen zu lieben, ist anders. Dein Werk der Erlösung hat uns verändert. Weihnachten stellt mit der Geburt eines neuen Lebens unser Leben auf den Kopf und weitet unsere Vorstellungen. Dein Kind-Sein verändert die Welt, trifft uns Menschen am Lebensnerv und lässt uns innehalten. Die Tage von Weihnachten sind und bleiben anders.

Das Jahr 2020 wird noch lange in der persönlichen Erinnerung bleiben. Für uns im Omnibus war und ist das gegenwärtige Jahr ebenso schwer. Die auf diese Weise gemachten Erfahrungen lassen uns aber dankbar und aus einer neuen Sicht über das Privileg der offenen Tür nachdenken.

In den letzten Monaten war Omnibus oft die einzige Herberge für Familien, die in der Nähe ihrer kranken Kinder bleiben wollten. Ich möchte nun ein ganz großes Dankeschön all unserer Omnibus-Eltern und -Kinder an Sie weitergeben. Mit Ihrer Unterstützung, Treue und Verbundenheit gehören Sie zum erweiterten Omnibus-Team. Unsichtbare Helfer, ohne die unsere Arbeit hier vor Ort überhaupt nicht möglich wäre. Ihr Mittragen hat für Familien, die wir aufnehmen, sehr große Bedeutung und wird als wunderbares Geschenk wahrgenommen und geschätzt. Das, was Sie für uns machen, würde ich „Schlüsselverschenken“ nennen. Jede Art von Hilfe ist wie ein Schlüssel, den wir an die Familien in Not überreichen können und dürfen. Sie leisten also genau wie wir diesen weihnachtlichen Dienst der Beherbergung.

Am Ende des Briefes möchte ich Ihnen und Ihren Familien ein gesegnetes und fröhliches Weihnachtsfest wünschen. Ja, es wird wahrscheinlich anders sein, aber es findet statt. Lassen Sie sich aufnehmen und eintauchen in das Geheimnis Gottes, wie es P. Michael in seinen Zeilen beschreibt. Lassen Sie sich aufnehmen und eintauchen in die Liebe Ihrer Familien, Freunde und aller Menschen, die in Ihrem Herzen Platz haben und die wiederum Ihnen diesen Platz schenken. Vielleicht werden Sie dann entdecken, dass Sie Weihnachten ganz anders erreicht. Vielleicht bedarf es gerade in dieser Zeit einer anderen Art der Aufmerksamkeit für die wirklich wichtigen Dinge des Lebens. Außerdem wünsche ich Ihnen, Ihren Familien und allen Kindern dieser Welt ein gesundes und hoffnungsvolles neues Jahr 2021. Seien Sie von Gott gesegnet und getragen.

Mit vorweihnachtlichen Grüßen auch im Namen des gesamten Omnibus-Teams
Br. Igor Hollmann ofm

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